Sonntag, 16. August 2009

Es gibt Gebetsformen...

mit denen ich leider reichlich wenig anfangen kann. Heute habe ich im Rahmen meines Praktikums eine davon erlebt. Es nannte sich "Exerzitien im Alltag" und findet einmal monatlich statt. Soweit, so gut, Exerzitien kenne ich, Einkehrabende vom Opus Dei auch, also - so mein naiver Gedanke - wird das wohl so ähnlich sein.

Aber leider nichts da: Im Kreis um eine gestaltete Mitte sitzend, wurden die Teilnehmer aufgefordert, alles einfach mal so dasein zu lassen und auch ihre Gefühle zuzulassen und wirklich gaaanz offen zu sein. Zum Ankommen durfte man sich alles, was einen noch beschäftigte, abatmen. Danach wurde - eine gefühlte Ewigkeit lang, vermutlich aber eher 45 Minuten - schweigend und immer noch um die Raummitte verteilt, über das mit sphärisch-verzückter Stimme vorgelesene Evangelium meditiert. Ich habe keine Geduld für solche Sachen, vor allem nicht, wenn dann noch in dieser Stille so charmante Angebote gemacht werden wie: Lassen Sie beim Einatmen das Ich und beim ausatmen das in Dir ganz Gestalt annehmen und Raum in ihnen gewinnen.

Mir ist aber dabei auch bewusst geworden, dass man Kompromissen in der Seelsorge nicht ausweichen kann, die Teilnehmer kommen recht zahlreich und denen gefällt das. Und - um fair zu sein - war die Veranstaltung inhaltlich garnicht so weit von den Anleitungen entfernt, die der hl. Ignatius für die Schriftlesung gibt und die ich an sich sehr hilfreich finde.

Übrigens wurde auch ein Lied gesungen, das für mich unter die Top 10 der nervigsten NGL-Texte fällt. Auch da ist die Grundidee nicht schlecht, aber... Hier sei es:

1. Brot, das die Hoffnung nährt, Freude, die der Trauer wehrt - Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist. - Wolke, die die Feinde stört, Ohr, das von Rettung hört - Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist.

2. Wort, das das Schweigen bricht, Trank, der die Brände löscht Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist Regen, der die Wüsten tränkt, Kind, das die Großen lenkt Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist

3. Kraft, die die Lahmen stützt, Hand, die die Schwachen schützt Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist Brot, das sich selbst verteilt, Hilfe, die zu Hilfe eilt Lied, das die Welt umkreist, dass die Welt umkreist

2 Commentaria:

Der_Aquinate_2 hat gesagt…

Also ich frage mich was diese grausige Mischung aus New-Age, Hausfrauenbuddhismus vermischt mit einetr guten Portion Gnosis in einer Kirche soll...
Wäre es nicht sinnvoll, den Suchenden echte ignatianische Exerzitien anzubieten als so ein Ringelpiez?

Was dieses grottige Lied betrifft: Ich habe im Hirn so eine Art Ventil. Sobald die Orgel/Band dieses Machwerk anspielt, höre ich deutlich in meinem Kopf ein lautes "tantum ergo sacramentum" und kriege vom karusselllfahrenden Liedchen nix mehr mit.

spero hat gesagt…

Hmm, hört sich schon etwas skuril an.
Hab letztes Jahr Gemeinschaft Chemin Neuf Exerzitien im Alltag mitgemacht. Die waren an die Ignatianischen Exerzitien angelehnt (weil die Spiritualität des Hl. Ignatius auch das Leitbild von Chemin Neuf ist) und ich fand die sehr gut. Allerdings mussten wir da auch nicht gaaaanz offen sein und alles andere abatmen :-)